Mein zweites ich: ZIPPER-MAN

 
17.10.2017


 


Einmal als Live-Erschrecker in einem Freizeitpark arbeiten, so begann die Geschichte mit einem Gedanken. Wie es wohl ist, wenn man als Horror-Figur Menschen Angst einflößen kann. Das war vor vielen Jahren, jetzt bin ich seit mehr als 8 Jahren Darsteller, Freak, Monster oder schlicht Scare-Actor. Wie es dazu kam? Was muss man leisten? Wie ist es tatsächlich? Hier plaudere ich mal aus dem Erfahrungsschatz.


Die Anfänge:
Horrorfilme fand ich faszinierend und schon lange besuchte ich Halloween und Horrorevents weltweit. Beeindruckende Darsteller, unglaubliche Kostüme haben mich immer wieder nachdenken lassen und schließlich bewarb ich mich im Fort Fun Abenteuerland. Das dortige Event galt als eine der besten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland und da wollte ich hin. Tatsächlich bekam ich die Chance und musste mir nun ein Kostüm und ein passendes Make-Up aussuchen.



Zu der damaligen Zeit waren die Figuren mit Reißverschlüssen im Gesicht noch selten und eigentlich gab es dieses Make-Up nur in Amerika oder in YouTube-Tutorials. Also machte ich mich an die Arbeit und klebte meinen ersten handelsüblichen Zipper. Schon nach wenigen Minuten auf den Wegen des "Fort Fear", wie es zur Halloweenzeit heißt, bekam ich sehr große Resonanz und wurde erst nur "Der Reißverschlussmann" genannt. Daraus wurde dann ein Jahr später ganz offiziell der ZIPPER-MAN.




So ging es weiter...:
Nach drei Jahren Zipper-Man wechselte die inhaltliche Ausrichtung des Parks und ich musste schweren Herzens mein neues zweites ich ablegen und gegen den bösen Wolf tauschen. Doch er schlummerte in mir und egal wen oder was ich spielen sollte, ich fühlte in jedem Oktober diese Gestalt in mir aufkommen. So suchte ich mir oder besser ihm eine neue Wirkungsstätte! Die fand ich im ZOO SAFARIPARK STUKENBROCK bei Bielefeld. Hier gab es schon seit ein paar Jahren Halloween, doch war man in der Entwicklungsphase. Ich wollte mithelfen und ZIPPER-MAN war plötzlich der Haupt-Act auf dem Plakat mit einer Show auf der Bühne und machte unzählige Fotos mit Besuchern. Die Figur hat es geschafft im Oktober die Oberhand zu gewinnen und so lebt sie stärker und intensiver denn je in mir.

 

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Die schönsten Erlebnisse

In jedem Jahr passieren wundervolle neue Dinge, neue Geschichten, die für ein ganzes Jahr oder sogar für ein ganzes Leben reichen. Schöne Erlebnisse, lustige Erlebnisse, aber auch krasse Dinge... Mal abgesehen von den unzähligen Heiratsanträgen die ich bei jeder Veranstaltung erhalte, gibt es ein paar ganz besondere Ereignisse, die ich immer wieder gern erzähle...

Die Frau mit den Krücken
Ich war nicht immer auf den Straßen der Parks unterwegs, sondern in den ersten Jahren in einem Labyrinth im Einsatz. Das bedeutet, ich habe eine mehr oder wenige feste Position und scare aus dieser die nahenden Besucher. Mein Platz war hinter einem Baum in einem echten Wald und wie man sich denken kann ist die Sicht dort aufgrund der natürlichen Dunkelheit etwas eingeschränkter. Dazu kommen Nebelmaschinen und meine weißen Kontaktlinsen. Ich musste mich also auf Geräusche verlassen und als ich eine Gruppe hörte, sie fast auf meiner Höhe waren, sprang ich aus meinem Versteck! Dann machte es ein BÄÄÄM und ich spürte einen Schmerz an den Rippen... Die vorangehende Frau war mit Krücken unterwegs und hat sich so sehr erschrocken, dass ich einfach mal ihre Gehhilfen zu spüren bekam. Es war selbstverständlich nur ein Schutzreflex und sie hat sich mehrfach entschuldigt, doch ich hatte ihn sitzen ;)

Freier Flug mit Kettensäge
Voller Motivation versucht man jeden Gast zu erwischen. Leidenschaft und voller Körpereinsatz waren gefragt. Mein Platz war in diesem Jahr in einer Nebelwand und ich hatte zum ersten Mal "Baby", meine heute heiß geliebte Kettensäge dabei. Wenn die Leute vom Scheinwerfer geblendet in die Nebelwand laufen, lasse ich die Kettensäge jaulen und die Gäste fallen fast um vor Schreck. Diesmal war es jedoch ein wenig anders. Im Wald gibt es logischer Weise Wurzeln und bei eintretender Dämmerung kann sich darauf Tau bilden. Bedeutet: Sie werden rutschig!

Ich ziehe im richtigen Augenblick voller Ehrgeiz und Vorfreude an "Baby" und es macht wieder BÄÄÄM! Ich bin auf einer Wurzel ausgerutscht und lang vor die Gäste gefallen... und ja die Kettensäge lief noch. Daraufhin fragten mich die Besucher: "Haben sie sich verletzt, kann man helfen"... Das Gelächter war groß und noch bis heute ist das meine Lieblingsgeschichte. Übrigens der Darsteller Daniel nach mir hat sie dann aber doch ordentlich erwischt!




Schau mir in die Augen
Es kann durchaus passieren, dass ein Gast nicht alles verkraftet und nach einem Schrecken in Ohnmacht fällt. So geschehen mit einer kleinen Damengruppe... eine der Besucherinnen bekam es mit der Angst zu tun als sie mich sah und fiel um wie ein Baumstamm. In diesem Fall irgendwie ein Kompliment. Nun muss ich reagieren und versuche ihr zu helfen. In dem Moment war ich gedanklich nicht mehr in meiner Rolle, doch das ich es optisch immernoch war, hatte ich verdrängt. Sie wurde schnell wieder wach, sah mich erneut und fiel wieder in den Tiefschlaf. Das passierte übrigens 4 Mal, bis dann endlich klar war... Auch Zipper-Man ist nur ein Mensch. Sie hat es überlebt und am Ende haben wir alle darüber gelacht... sie auch :)


Wie lange dauert eine Verwandlung

Im Laufe der Jahre hat sich die Figur des Zipper-Man immer wieder ein wenig verändert und ich würde auch behaupten, deutlich verbessert. Der Grund liegt auf der Hand, denn durch Halloween habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Sie arbeitet hauptberuflich als Special Make-Up-Artist und mit ihr gemeinsam habe ich mein zweites ich weiter entwickelt. Früher, in Eigenarbeit, habe ich knapp 1,5 Stunden für eine Verwandlung gebraucht. Als dann die Glatze dazu kam, waren es schon fast 3 Stunden. Hier bekam ich übrgens zu Beginn Unterstützung durch meine Frisörin aus meinem Heimatort, die mir das gute Stück auf den Kopf geklebt hat.

Dann kam meine heutige Frau dazu und mittlerweile sind es wieder knappe 90 Minuten, dann ist Zipper-Man bereit! Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mir so uneigennützig hilft, meine verrückten Ideen befürwortet und mich unterstützt. Danke Liebling!



Wie sieht die Zukunft aus? Wünsche und Ziele

Die Figur ist mittlerweile perfekt und optisch wird sich vermutlich nichts mehr großartig verändern. Vom stummen Monster ist ZIPPER-MAN in den letzten zwei Jahren zum Horror-Entertainer geworden und in dieser Richtung kann es gerne weitergehen.

Es gibt Pläne für ein Musik-Video und natürlich wird ZIPPER-MAN auch in diesem Jahr wieder Live auf der Bühne des Zoo Safaripark Stukenbrock stehen. Ein Traum wäre natürlich, in einer echten Horror-Filmproduktion mitwirken zu können. Ich sage zwar niemals nie, aber dennoch weiß ich auch wie hoch die Früchte hängen. Gern würde ich auch irgendwann ein Buch schreiben und von all dem noch viel ausführlicher erzählen!

Aus aktuellem Anlass:

Leider wird es den ZipperMan nie mehr im Safaripark zu erleben geben. Ich habe meine Gründe und ziehe meine Konsequenzen!

 



 
 
 
Quelle: Selbst
Text: Zipper-Man
Bilder und Logos: Zipper-Man, Safaripark Stukenbrock, Fort Fun, Marlon Roth,
Video: -

 
 
 
 

 

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